Der Frühling ist die Zeit des Aufräumens – und wer dabei ehrlich durch seine Schubladen, Regale und Abstellkammern schaut, stößt unweigerlich auf sie: die kleinen Helfer aus dem schwedischen Möbelhaus, die einmal eine glänzende Idee schienen und heute unbenutzt ihr Dasein fristen. IKEA verkauft jährlich Millionen von Produkten weltweit, und nicht alle halten, was ihr knalliges Etikett verspricht. Manche landen nach dem ersten Einsatz direkt in der untersten Schublade, andere überleben genau eine Saison – und verschwinden dann still und leise aus dem Alltag.
Diese Liste versammelt zehn Produkte, die in erstaunlich vielen deutschen Haushalten auftauchen, ohne jemals wirklich gebraucht zu werden. Kein böses Wort gegen die Marke: IKEA liefert für viele Einrichtungsfragen gute Lösungen. Aber diese zehn Kandidaten verdienen einen ehrlichen Blick – damit der nächste Einkaufszettel schlanker wird und die Schubladen endlich Luft bekommen.
1. Tjusig – der Garderobenständer, der alle Jacken frisst
Der TJUSIG ist schmal, birkenfarben und auf jedem zweiten Flurfoto von Pinterest zu sehen. In der Realität kippt er spätestens beim dritten Wintermantel, wackelt auf Laminat wie ein Metronom und ist zu schmal, um mehr als vier Kleidungsstücke zu tragen, bevor er aus dem Gleichgewicht gerät. Wer einen schmalen Flur hat, braucht eine Wandhakenleiste – die hält zuverlässiger, kostet weniger und nimmt null Bodenfläche weg. Der TJUSIG hingegen wandert nach einem Winter oft hinter die Tür, wo er als teurer Haken für eine einzelne Plastiktüte endet.
2. Chosigt – Eierbecher, die niemand benutzt
Eierbecher aus Kunststoff in quietschigen Farben für unter zwei Euro das Stück – das klingt nach einem vernünftigen Kauf. Tatsächlich landen sie nach zwei Sonntagsfrühstücken in einer Schublade, weil das Ei im Kaffeebecher genauso gut steht, weil die Familie doch lieber Rührei macht oder weil die Becher zu leicht sind und beim Aufschlagen wegrutschen. Ein Klassiker im Sortiment, ein Klassiker unter den ungenutzten Küchendingen.
3. Ordning – der Besteckbehälter, der zur Abstellfläche wird
Der zylindrische ORDNING aus gebürstetem Edelstahl ist ästhetisch. Er steht gut aus. Er macht auf der Küchenarbeitsplatte genau das, was Küchendinge nicht tun sollen: Er lockt dazu, alles hineinzuwerfen, was gerade keinen Platz hat – Kochlöffel, ein Paar Scheren, einen Spiralschneider, den man seit Oktober nicht mehr angefasst hat. Das Durchsuchen wird mühsam, der Behälter zu schwer zum Herausnehmen einzelner Stücke. Eine Schubladeneinlage löst dasselbe Problem besser, ohne die Arbeitsplatte zu besetzen.
4. Pluggis – Mülltrennsystem, das in keinen Schrank passt
Die Idee hinter PLUGGIS ist gut: kleine Behälter zum Sortieren und Trennen von Abfall unter der Spüle oder im Schrank. Die Ausführung scheitert an deutschen Küchenwirklichkeiten. Die Maße passen selten zum vorhandenen Unterschrank, die Behälter stehen instabil nebeneinander, und wer eine Mülltrennung mit drei oder vier Fraktionen betreibt, braucht entweder ein viel größeres System oder Platz, der in Standardküchen schlicht nicht existiert. Im Keller landet PLUGGIS dann als Blumentopfunterlage.
5. Spontan – der Magnet-Messerleiste-Konkurrent, der seine Messer verliert
Die magnetische Messerleiste SPONTAN wirkt praktisch und spart Schubladenplatz. Das Problem: Die Magnetkraft schwankt je nach Messertyp erheblich. Schwere Küchenmesser halten gut; leichtere Gemüsemesser, Schälmesser oder das Käsemesser rutschen immer wieder ab. In einer Küche mit Kindern oder in einem Haushalt, in dem die Leiste in Greifhöhe montiert wurde, ist das ein echtes Sicherheitsproblem. Viele Käufer schrauben die SPONTAN wieder ab und greifen zu einem Messerblock.
6. Ikea 365+ Vorratsdosen – das Deckel-Chaos
Vorratsdosen sind sinnvoll. IKEA 365+-Dosen sind ordentlich gemacht und sehen im Regal einheitlich aus – solange man nur eine Größe kauft. Wer aber mehrere Größen kombiniert, weiß nach drei Wochen nicht mehr, welcher Deckel zu welchem Behälter gehört, weil die Deckel nicht universell passen und die runden und eckigen Varianten eigene Deckel-Logiken haben. Das Durchsuchen des Deckelfachs wird zum Morgensport. Die Dosen landen halb benutzt im Schrank, während der Rest der Vorräte weiter in den Originalverpackungen bleibt.
7. Snudda – das Drehtablett, das sich niemand wünscht
Das SNUDDA ist ein rundes Drehtablett aus massivem Holz, gedacht als Lazy Susan für den Esstisch oder als Servierhilfe. In der Praxis ist es schwer genug, um nicht wirklich bequem zu drehen, zu groß für die meisten Tische und schwierig zu reinigen, weil die Holzoberfläche Soßen und Fett aufnimmt. Nach einem Weihnachtsessen oder zwei steht es im Keller. Wer ein Drehtablett wirklich braucht, greift zu einer leichteren Version mit Glasoberfläche oder schlicht zu einem Servierbrett.
8. Bevara – Tütenklammern, die überall herumschwimmen
Die BEVARA-Klammern gibt es in Multipackungen mit vielen verschiedenen Größen und Farben. Das klingt nach Ordnung. Das Ergebnis ist das Gegenteil: Die kleinen Klammern verteilen sich in Schubladen, Küchenschränken, auf der Arbeitsfläche. Die großen Klammern passen nicht auf schmale Tüten, die kleinen schließen dicke Gefrierboxen nicht richtig. Wäscheklammern aus dem Drogeriemarkt leisten beim Verschließen von Chipstüten dasselbe – und man weiß, wo sie sind.
9. Luns – die Kinderschürze, die keiner anzieht
Die LUNS-Kinderschürze ist günstig, bunt und gut gemeint. Kinder, die wirklich backen oder basteln wollen, interessieren sich in aller Regel nicht für eine Schürze. Sie malen über die Schürze, unter der Schürze, am Rand vorbei. Wer ein Kind kennt, weiß: der alte T-Shirt-Schutz funktioniert besser als jedes Kinderschürzen-Konzept – und kostet nichts.
10. Bumerang – Hosenspanner, die im Schrank verschwinden
Der BUMERANG ist ein geformter Kleiderbügel aus Holz, der speziell für Hosen gedacht ist und diese ohne Falte aufhängen soll. Er macht das auch – einmal. Dann wird er beim Einräumen des Kleiderschranks hinten einsortiert, weil andere Bügel schneller griffbereit sind und weil das Einhängen der Hose in den gebogenen BUMERANG eine kleine Übung erfordert, die morgens um sieben niemand will. In vielen Haushalten findet sich ein Set davon ungeöffnet im hintersten Schrankwinkel.
Was tun mit dem ungenutzten Ikea-Inventar?
Das Frühjahr bietet die beste Gelegenheit, diesen Kategorien ehrlich zu begegnen. Was in den letzten zwölf Monaten nicht benutzt wurde, wird auch im nächsten Jahr unbenutzt bleiben. IKEA-Produkte lassen sich über den IKEA Second-Hand-Service zurückgeben, über lokale Kleinanzeigenplattformen verkaufen oder in Sozialkaufhäuser spenden. Wer seinen Haushalt wirklich entschlacken will, stellt beim nächsten IKEA-Besuch eine einfache Frage: Wo genau liegt dieses Ding in drei Monaten?
Kann man unbenutzte Ikea-Produkte zurückgeben?
IKEA bietet in Deutschland eine Rückgabemöglichkeit innerhalb von 365 Tagen für unbenutzte Artikel mit Kassenbon an. Darüber hinaus gibt es das IKEA Buyback-Programm, über das gebrauchte Möbel und Produkte gegen Einkaufsguthaben zurückgegeben werden können – auch ohne Originalverpackung, wenn die Ware in gutem Zustand ist. Die Konditionen variieren je nach Produkt und Zustand.
Sind günstige Ikea-Produkte grundsätzlich schlechter?
Nicht automatisch. IKEA liefert in vielen Kategorien – Regalsysteme, Matratzen, Grundmöbel – solide Qualität für den Preis. Die Produkte auf dieser Liste scheitern weniger an der Verarbeitungsqualität als an einer Diskrepanz zwischen Versprechen und tatsächlichem Alltagsnutzen. Dies ist eher ein Designproblem als ein reines Qualitätsproblem.
Welche Ikea-Produkte sind wirklich sinnvoll für den Alltag?
Das hängt vom Haushalt ab. Produkte wie das KALLAX-Regalsystem, die RATIONELL-Schubladenorganizer für Küchen oder die DIMPA-Aufbewahrungstaschen werden von Nutzern langfristig und intensiv genutzt. Generell funktionieren Möbel und Aufbewahrungssysteme mit klarer Struktur bei IKEA besser als Gadgets und Küchenhelfer.
Wie vermeide ich nutzlose Käufe beim nächsten Ikea-Besuch?
Wer seinen IKEA-Einkauf vorher digital plant – über die IKEA-App oder die Website – und keine Spontankäufe aus dem Marktplatzbereich mitnimmt, kauft deutlich gezielter ein. Der Marktplatz im hinteren Teil der Filialen ist gezielt so gestaltet, dass er zu impulsiven Kleinkäufen verleitet. Eine feste Einkaufsliste und das Prinzip „erst nach Hause messen, dann bestellen" helfen spürbar.
Gibt es Alternativen zu den genannten Produkten?
Für die meisten Fälle ja. Wandhaken statt Garderobenständer, Schubladeneinlagen statt Besteckbehälter, ein gutes Messerblock-System statt Magnetleiste mit schwacher Haltekraft. Viele dieser Alternativen sind im Fachhandel oder bei anderen Anbietern erhältlich – manchmal günstiger, oft langlebiger, weil sie für den spezifischen Zweck entwickelt wurden statt für ein breites Massensortiment.



