Ordnung in der Küche: Marie Kondō sagt dir wie das geht

Der Frühling ist die perfekte Zeit für einen Neuanfang – auch in der Küche. Schubladen, die sich kaum öffnen lassen, Töpfe, die beim Herausnehmen einen Lawineneffekt auslösen, Gewürzregale, hinter denen sich Produkte aus längst vergangenen Jahren verstecken: Küchenchaos gehört zum Alltag vieler Haushalte. Marie Kondō, japanische Ordnungsexpertin und Autorin der weltbekannten KonMari-Methode, hat einen klaren Ansatz entwickelt, der nicht nur Ordnung schafft, sondern diese auch dauerhaft hält.

Die KonMari-Methode ist mehr als nur eine schnelle Aufräumaktion; sie ist ein strukturierter Prozess, der Ihr Verhältnis zum eigenen Besitz grundlegend verändert. Wenn Sie einmal verstanden haben, wie Marie Kondō eine Küche organisiert, werden Sie Küchenutensilien nie wieder blindlings in Schränke stopfen. Nehmen Sie sich einen Morgen Zeit, suchen Sie sich eine große Fläche zum Sortieren – und legen Sie los.

Vorbereitungszeit30 Min.
Durchführungszeit4–6 Stunden
Haltbarkeit des ErgebnissesDauerhaft, bei konsequenter Anwendung
SchwierigkeitsgradAnfänger
Empfohlene JahreszeitFrühling — ideal zum großen Frühjahrsputz

Das grundprinzip: erst aussortieren, dann ordnen

Marie Kondō rät dringend davon ab, mit dem Einräumen zu beginnen. Der erste Schritt ist immer das vollständige Entleeren. Nehmen Sie alle Gegenstände aus allen Küchenschränken, Schubladen und Fächern und legen Sie alles auf den Küchentisch oder den Boden. Nur wenn Sie den gesamten Bestand vor Augen haben, erkennen Sie, wie viel wirklich vorhanden ist – und wie viel davon längst hätte verschwinden sollen.

Das Prinzip, das Kondō „Freude auslösen" nennt (im Original: tokimeku), bedeutet: Halten Sie jeden Gegenstand in den Händen und fragen Sie sich ehrlich, ob er Ihnen noch Freude bereitet oder einen klaren, täglichen Nutzen erfüllt. Vier Kasserollen für einen Zwei-Personen-Haushalt? Ein Waffeleisen, das seit drei Jahren im hintersten Winkel wartet? Diese Fragen fallen leichter, wenn man den Gegenstand physisch in der Hand hält.

Kategorie für kategorie — nicht schrank für schrank

Kondō empfiehlt ausdrücklich, nicht Möbelstück für Möbelstück vorzugehen, sondern nach Kategorien zu sortieren. In der Küche bedeutet das: zuerst alle Kochutensilien zusammen, dann alle Vorratsmittel, dann Backzubehör, dann Küchengeräte. So vermeiden Sie, dass doppelte Exemplare unbemerkt in verschiedenen Schubladen überleben.

1. Kochutensilien und besteck

Legen Sie sämtliche Kochlöffel, Schaumkellen, Zangen, Messer und Spateln nebeneinander. Behalten Sie nur, was Sie regelmäßig verwenden. Zwei Sparschäler, drei Pfannenwender aus verschiedenen Haushalten – in den meisten Küchen lässt sich der Bestand an Utensilien problemlos halbieren, ohne dass irgendetwas vermisst wird. Messer, die stumpf sind und nie geschärft werden, gehören entweder nachgeschärft oder aussortiert. Besteck, das zu keinem Set mehr passt, darf gehen.

2. Töpfe, pfannen und schüsseln

Töpfe und Pfannen sind oft die Ursache für das Chaos in Küchenschränken. Kondō empfiehlt, sie ineinandergestapelt aufzubewahren und die Deckel separat – entweder senkrecht in einem Deckelhalter oder in einem flachen Fach. Prüfen Sie, ob die Beschichtung von Pfannen noch intakt ist: Eine beschädigte Antihaftbeschichtung ist ein klarer Grund zum Aussortieren, nicht sentimental. Schüsseln lassen sich nach Größe stapeln; wer mehr als fünf Schüsseln besitzt, ohne alle regelmäßig zu nutzen, kann hier reduzieren.

3. Lebensmittelvorräte

Gewürze, Konserven, Nudeln, Öle: Der Vorratsbereich ist oft derjenige, in dem sich die meisten abgelaufenen Produkte befinden. Überprüfen Sie die Mindesthaltbarkeitsdaten konsequent. Kondō empfiehlt, alle Vorräte derselben Kategorie zusammenzulegen – alle Nudelsorten gemeinsam, alle Hülsenfrüchte gemeinsam – und diese Gruppen sichtbar, also von vorne greifbar, aufzubewahren. Produkte, die man nie sieht, werden nie verwendet.

Für Gewürze gilt: Ein handelsübliches Gewürzregal funktioniert besser, wenn die Gläser aufrecht stehen und von vorne beschriftet sind. Wer ein zweites, identisches Gewürz kauft, weil das erste im hinteren Bereich unsichtbar war, kennt dieses Problem. Flache Schubladen mit beschrifteten Deckeln sind laut KonMari-Methode die bevorzugte Aufbewahrungsform – jedes Glas sofort sichtbar, nichts versteckt.

4. Küchengeräte

Mixer, Stabmixer, Reiskocher, Waffeleisen, Sandwichmaker: Küchengeräte nehmen viel Platz ein und werden oft seltener genutzt, als man beim Kauf erwartet hatte. Kondō empfiehlt, nur Geräte aufzubewahren, die mindestens einmal pro Monat in Gebrauch sind. Geräte mit defekten Teilen, fehlenden Aufsätzen oder unvollständigem Zubehör sollten vollständig aussortiert werden. Geräte, die selten gebraucht werden, aber einen festen Platz haben – etwa ein Handmixer für saisonales Backen –, dürfen in einem höher gelegenen Fach oder einer Abstellkammer untergebracht werden, außerhalb des täglichen Zugriffs.

Das einräumen: senkrecht statt gestapelt

Marie Kondōs bekanntester praktischer Rat für die Küche betrifft die Aufbewahrung in Schubladen: vertikales Falten – im Originalkonzept für Kleidung entwickelt – lässt sich sinngemäß auf Küchentücher, Geschirrhandtücher und Aufbewahrungsbeutel übertragen. Alles, was man von oben sehen kann, wird auch tatsächlich genutzt. Was unter anderem versteckt liegt, gerät in Vergessenheit.

Für Schubladen gilt das Prinzip der senkrechten Lagerung: Küchenutensilien stehen aufrecht in Behältern, nicht kreuz und quer übereinander. Trennstege aus einfachen Kartonstreifen oder preiswerte Schubladenteiler aus Bambus oder Kunststoff helfen, Kategorien sauber zu trennen. Die Investition liegt meist unter 15 Euro pro Schublade und verändert die Alltagsnutzung spürbar.

Die arbeitsplatte: möglichst frei

Eine Kernregel des KonMari-Ansatzes für Küchen lautet: Die Arbeitsplatte ist kein Abstellplatz. Nur Gegenstände, die täglich mehrfach genutzt werden – der Wasserkocher, die Kaffeemaschine, ein Messerblock – dürfen sichtbar stehen. Alles andere bekommt einen festen Platz in einem Schrank. Eine freie Arbeitsfläche reduziert nicht nur den visuellen Lärm, sondern erleichtert auch das Kochen selbst: Man arbeitet schneller, wenn man nicht erst Platz schaffen muss.

Das Profi-Tipp

Wer das Aussortieren schwierig findet, weil Gegenstände „irgendwann vielleicht noch nützlich" sein könnten, kann eine Übergangsbox anlegen: Alles, was man nicht sofort aussortieren möchte, wandert für drei Monate in eine beschriftete Kiste. Wurde in dieser Zeit nichts davon herausgenommen, ist die Entscheidung einfach. Im Frühling fällt diese Übung leichter – die Energie des Neuanfangs macht das Loslassen konkreter. Ein weiterer Profi-Tipp: Fotografieren Sie den Ausgangszustand vor dem Aufräumen. Das Bild ist später eine wirkungsvolle Erinnerung daran, warum es sich gelohnt hat.

Pflege und dauerhaftigkeit der ordnung

Eine nach der KonMari-Methode organisierte Küche bleibt langfristig ordentlich, wenn jeder Gegenstand einen klar definierten Platz hat und konsequent dorthin zurückgelegt wird. Der entscheidende Unterschied zur herkömmlichen Aufräumaktion: Man räumt nicht mehr täglich auf, man legt zurück. Das ist ein minimaler Aufwand, der sich zur Gewohnheit formt.

Zweimal jährlich – am sinnvollsten im Frühling und vor der Weihnachtszeit – lohnt es sich, Gewürze und Vorräte auf Ablaufdaten zu prüfen und Küchengeräte zu hinterfragen. Wer neue Gegenstände in die Küche bringt, sollte gleichzeitig entscheiden, was weicht: das One-in-one-out-Prinzip verhindert, dass die Ordnung schleichend wieder in Chaos übergeht.

Für wen die konmari-methode besonders geeignet ist

Die Methode funktioniert für jede Küchengröße, ob kompakte Einbauküche in einer Stadtwohnung oder geräumige Landhausküche. Wer mit Mitbewohnern oder Familienangehörigen zusammenlebt, sollte den Sortierprozess gemeinsam durchführen – Kondō betont, dass Ordnung im Gemeinschaftsraum nur dann dauerhaft ist, wenn alle Beteiligten die Entscheidungen mittragen. Wer hingegen allein lebt, kann in einem einzigen freien Tag die gesamte Küche nach diesem System neu strukturieren.

Als Alternative zur vollständigen KonMari-Umsetzung bietet sich ein schrittweiser Ansatz an: Beginnen Sie mit einer einzigen Schublade oder einem einzigen Schrank, erleben Sie den Unterschied im Alltag, und erweitern Sie den Radius von dort aus. Viele professionelle Ordnungsberaterinnen – in Deutschland unter dem Begriff Professional Organizer tätig – bieten zudem Einzelsitzungen an, wenn die Aufgabe überwältigend wirkt.

Häufig gestellte fragen

Wie lange dauert die vollständige KonMari-Ordnung einer Küche?

Marie Kondō empfiehlt, die Küche als Ganzes an einem einzigen Tag anzugehen – nicht über mehrere Wochen verteilt. In der Praxis dauert ein vollständiger Durchgang inklusive Aussortieren, Entscheiden und Einräumen zwischen vier und acht Stunden, abhängig vom Ausgangsvolumen. Wer die Küche mit einem Partner gemeinsam macht, verkürzt den Prozess nicht unbedingt – zwei Personen müssen mehr Entscheidungen gemeinsam treffen.

Was macht man mit aussortierten Küchengegenständen?

Gut erhaltene Küchengeräte und -utensilien können über Secondhand-Plattformen wie eBay Kleinanzeigen verkauft, bei lokalen Sozialkaufhäusern abgegeben oder über Nachbarschaftsgruppen weitergegeben werden. Töpfe und Pfannen mit beschädigter Beschichtung gehören in den Metallrecycling-Container. Gewürze und Lebensmittel, die noch haltbar sind, lassen sich über Foodsharing-Plattformen weitergeben.

Gilt das „Freude auslösen"-Prinzip wirklich für Küchenutensilien?

Kondō selbst räumt ein, dass der Begriff bei Alltagsgegenständen weniger emotional besetzt ist als bei Kleidung oder persönlichen Gegenständen. In der Küche lässt sich die Frage pragmatischer formulieren: Nutze ich diesen Gegenstand regelmäßig? Funktioniert er noch einwandfrei? Hat er einen klaren, unverzichtbaren Zweck? Wer alle drei Fragen mit Ja beantwortet, behält – wer bei allen dreien zögert, sortiert aus.

Welche Aufbewahrungsmaterialien empfiehlt Marie Kondō für die Küche?

Kondō bevorzugt einfache, einheitliche Behälter – keine teuren Designlösungen. Schuhkartons eignen sich als Schubladenteiler ebenso gut wie gekaufte Trennstege. Für Gewürze sind einheitliche Gläser mit beschrifteten Deckeln ideal. Wichtig ist die Einheitlichkeit: Verschiedene Systeme nebeneinander erzeugen visuellen Lärm, auch wenn jedes für sich ordentlich ist.

Muss man die gesamte Küche auf einmal angehen oder kann man schrittweise vorgehen?

Die KonMari-Methode sieht idealerweise einen vollständigen Durchgang vor – Kondō argumentiert, dass ein schrittweises Vorgehen die Entscheidungsenergie nicht aufbaut und das Ergebnis weniger dauerhaft ist. In der Praxis ist ein Einstieg mit einer einzigen Kategorie, etwa nur Kochutensilien oder nur Vorräte, ein gangbarer Kompromiss, der zu einem vollständigen Durchgang motivieren kann.